Wie kann Frieden in Europa entstehen und dauerhaft bewahrt werden? Mit dieser Frage haben sich 30 junge Menschen aus dem Kreis Unna, Italien und Finnland beschäftigt. Das Ergebnis der internationalen Jugendbegegnung: beeindruckende Kunstwerke, eine Podcast-Folge und ganz viel Motivation für zukünftige Projekte.
Mit dem Start in die Sommerferien hatte das Werkstatt-Berufskolleg Unna zwei Partnergruppen aus Itri (Italien) und Oulu (Finnland) in die Jugendbildungsstätte Forsthaus Hasenacker eingeladen. Für zwölf Tage entstand hier ein Ort des internationalen Austauschs: In Workshops und Diskussionen setzten sich die Aktiven mit den Ursachen von Konflikten und Kriegen auseinander. Klar, während zum Beispiel der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine tobt und in vielen europäischen Ländern zunehmend über Wehrpflicht diskutiert wird, ist das ein Thema, das viele junge Menschen bewegt. Sie sprachen über Vorurteile, Ausgrenzung, Desinformation und gesellschaftliche Spannungen. Dabei reflektierten sie auch ihre eigenen Erfahrungen und kulturellen Prägungen. Ihre Erkenntnisse hielten sie in Interviews, Fotos und Gemälden fest.
Demokratie im Praxistest
Liisi ist alleine aus Finnland angereist und kannte zunächst niemanden. „Wir mussten alle bei null anfangen”, sagt sie. „Ich habe gelernt, wie wichtig Kommunikation und Teamarbeit sind.“ Besonders prägend war für sie zum Beispiel ein Planspiel, in dem die Teilnehmenden unterschiedliche gesellschaftliche Rollen einnahmen: Regierung, Bevölkerung, Nichtregierungsorganisationen. In diesen Rollen diskutierten sie, wer welche Verantwortung in einer demokratischen Gesellschaft trägt. Dabei mussten sie den Umgang mit gegensätzlichen Perspektiven und Interessen aktiv aushandeln. „Frieden und Demokratie funktionieren nur, wenn alle miteinander im Gespräch bleiben“, sagt Liisi.
Erinnerungen für die Zukunft
Neben Teambuilding und interkulturellem Lernen gehörten auch gemeinsame Exkursionen zum Programm, zum Beispiel ein Besuch des Atlantikwall-Museums in Noordwijk in den Niederlanden. Das Museum befindet sich in einem erhaltenen deutschen Bunkerkomplex aus dem Zweiten Weltkrieg. Besonders die schwierigen Lebensbedingungen während des Krieges beschäftigten die Jugendlichen. Die gewonnenen Eindrücke nutzten sie dafür, um in einer Podcast-Folge zu erzählen, welches Wissen und welche Erzählungen über den Krieg in ihren Familien weitergegeben worden sind. Für Liisi wurde so deutlich, dass die Folgen von Kriegen nicht mit ihrem Ende verschwinden: „Sie wirken oft über Generationen weiter. Man bemerkt sie im Alltag nicht immer, aber sie sind noch da.“
Um internationale Projekte wie dieses zu ermöglichen, ist das Werkstatt-Berufskolleg Unna Teil des internationalen Netzwerks und Förderprogramms Generation Europe – The Academy, das in diesem Jahr in eine neue dreijährige Projektphase gestartet ist. Beteiligt sind 40 Jugendorganisationen aus 14 Ländern. Das gemeinsame Ziel: junge Menschen ermutigen, sich europäisch zu vernetzen, und sich aktiv für Demokratie, soziale Teilhabe und ein friedliches Miteinander einzusetzen. Die diesjährige Jugendbegegnung war nun das erste gemeinsame Projekt der Berufsschüler*innen aus dem Kreis Unna mit ihren internationalen Projektpartnern in der neuen Projektphase. An allen drei Orten haben die Jugendlichen lokale Gruppen gebildet, um auch vor Ort aktiv zu bleiben. Der internationale Austausch geht ebenfalls weiter: Im Sommer 2027 und 2028 stehen Gegenbesuche in Finnland und Italien an.
Peace Lab: Friedensideen werden sichtbar
Zum Abschluss ihrer Begegnung haben die Aktiven die Ergebnisse in der Jugendbildungsstätte Forsthaus Hasenacker präsentiert. Neben der Podcast-Gruppe stellten auch eine Foto-Gruppe und eine Kunst-Gruppe ihre Arbeit vor. In letzterer hatten die Aktiven mit Acrylfarben großformatige Gemälde gestaltet, die ihren Blick auf Konflikte sowie Vorstellungen von Frieden sichtbar machten. Besonders beeindruckt zeigten sich die Gäste von der Atmosphäre und dem Engagement der Jugendlichen.
An der Jugendbegegnung haben junge Menschen zwischen 18 und 23 Jahren mit und ohne Behinderung teilgenommen. „Das Peace Lab ist aus den Gedanken und Gesprächen entstanden, die wir während der gesamten Zeit gesammelt haben“, erklärt Kevin Ewe, Schulsozialarbeiter am Werkstatt-Berufskolleg und lokaler Projektmanager für Generation Europe – The Academy. Die Begegnung habe nicht nur Wissen vermittelt, sondern den Teilnehmenden auch Raum gegeben, eigene Ideen zu entwickeln. Zugleich seien zahlreiche Freundschaften über Ländergrenzen hinweg entstanden.
Gefördert wird die dreijährige Projektpartnerschaft unter anderem von der Stiftung Mercator, der Europäischen Union und dem Land NRW. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt zusätzlich Weiterbildungen und Projektplanungskonferenzen im Rahmen von Generation Europe – The Academy. Organisiert wird das Netzwerk und Förderprogramm vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk e.V. aus Dortmund.
Mehr Infos
- Hier könnt ihr den Peace-Podcast anhören, der während der Jugendbegegnung entstanden ist.
- Zur Generation Europe Partnerschaft 5 auf Instagram.
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