Kein Leitungswasser, Strom gibt’s nur bei Sonnenschein, und „geduscht“ wird draußen mit Eimer und Schöpfbecher: Auf der Off-Grid-Farm La Serra bei Besalú in Katalonien erleben junge Aktive aus Deutschland, Italien und Spanien, wie unmittelbar der Alltag von verfügbaren Ressourcen abhängt. Unter dem Motto „Bee Humble“ beschäftigen sie sich mit Nachhaltigkeit, gemeinschaftlichem Leben und mentalem Wohlbefinden. Und sie packen beim Ausbau des Begegnungsortes mit an.
Ein besonderer Dank geht an Jeremy, Alejandra und Tobias, die für diesen Beitrag ihre Beobachtungen und Erfahrungen als Onsite-Reporter*innen festgehalten haben.
La Serra ist ein ungewöhnlicher Veranstaltungsort. Die Initiative Queering the Pathway richtet die Farm als naturnahen Ort für Camps, Jugendaktivitäten und internationale Begegnungen her. So entsteht ein ausdrücklich queer- und neuroaffirmativer Raum, in dem ganz unterschiedliche Menschen willkommen sind. Das Gelände hat keinen Anschluss an das öffentliche Strom- und Wassernetz. Die Projektpartner aus Bochum, Barcelona und Rom haben sich bewusst für La Serra entschieden, um während der internationalen Jugendbegegnung den Begegnungsort aktiv zu unterstützen.
Wenig Wasser, Strom und Bildschirmzeit
Dabei muss die Gruppe mit dem auskommen, was vor Ort verfügbar ist. Trinkwasser holen die Bewohner*innen von einer Quelle, die etwa eine Stunde entfernt ist. Strom kommt ausschließlich aus Solarpanels. Trocken- und Komposttoiletten, biologisch abbaubare Pflegeprodukte und der sparsame Umgang mit Wasser gehören ebenfalls zum täglichen Leben. Auch sonst ist vieles anders als zuhause: Um Strom zu sparen und sich von digitalen Zwängen zu befreien, hat sich die Gruppe auf eine klare Regel geeinigt: Smartphones werden nur einmal am Tag für eine fest definierte Stunde eingeschaltet. Das reicht für den Kontakt nach Hause, und für einen kurzen Blick in die große weite Social-Media-Welt.
Ansonsten gilt: Statt immer aufs Display zu schauen, verbringen die Aktiven ihre Zeit miteinander. Sie konzentrieren sich auf Gespräche, gemeinsame Aufgaben und ihre Umgebung. Dieser bewusste Abstand von dauernder digitaler Ablenkung ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts der Jugendbegegnung, die auch Raum für Reflexion und mentales Wohlbefinden schaffen will.
Insgesamt verlangt der Alltag auf La Serra jedoch einiges an Organisation: Die Gruppe schläft in Zelten, manche davon liegen mehrere Minuten vom zentralen Treffpunkt entfernt. Die Teilnehmenden kümmern sich um die Esel, Hühner, Hunde und Katzen der Farm, helfen auch bei anderen täglichen Arbeiten. Eine besondere Herausforderung ist immer wieder das Wetter: Zweimal zogen so schwere Stürme auf, so dass die jungen Aktiven ihre Zelte verlassen und sich im zentralen Gebäude in Sicherheit bringen mussten. An heißen Tagen steigen die Temperaturen dagegen auf rund 40 Grad.
Kein Luxus: Ein Pool für heiße Sommertage
Wer draußen im Zelt lebt, braucht bei der glühenden Sommerhitze dringend Möglichkeiten zur Abkühlung. Auf La Serra ist das bisher eine Herausforderung. Um die Off-Grid-Farm für Jugendgruppen im Sommer besser nutzbar zu machen, haben sich die Projektpartner daher entschieden, während ihrer Jugendbegegnung eine wichtige Infrastruktur zu bauen: Einen Pool für La Serra.
Zunächst haben die Jugendlichen den Untergrund mit Sand geebnet und Bauholz bearbeitet. Jeremy, Alejandra und Tobias beschreiben die Arbeit als körperlich anstrengend und zeitweise frustrierend. Trotzdem arbeitete die Gruppe weiter, stimmte die Schritte miteinander ab und brachte das anspruchsvolle Projekt zu Ende. Doch wie befüllt man einen Pool an einem Ort ohne Wasseranschluss? Tatsächlich ließen sich die Aktiven das Wasser per Lkw auf das Gelände liefern. Für La Serra ist das ein bewusster Kompromiss: Der Pool verbraucht Wasser, bietet während der heißen katalanischen Sommer so aber einen geschützten Ort zur Abkühlung.
Gemeinsam die Region erkunden
Trotz dieser Arbeit blieb noch Zeit für weitere Aktivitäten: Bei einer Wanderung entlang des Riu Fluvià, einem der natürlichsten Flussläufe Kataloniens, sammelten die Aktiven zurückgelassenen Müll ein und erfuhren nebenbei mehr über die Pflanzen und Tiere der Region. Sie besuchten die mittelalterliche Ortschaft Besalú sowie die Provinzhauptstadt Girona. In selbstorganisierten Workshops berieten sich die Gruppen außerdem gegenseitig zu den lokalen Projekten, die sie jeweils im Rahmen von Generation Europe – The Academy zuhause umsetzen wollen.
Die dreijährige Projektpartnerschaft, die das alles ermöglicht, besteht aus der Fachstelle Internationale Jugendarbeit der Stadt Bochum in Zusammenarbeit mit den Falken Bochum, Càlam. Art, Educació, Sostenibilitat aus Barcelona sowie Meta Cooperativa Sociale Onlus aus Rom. Nächstes Jahr treffen sich die Gruppen dann zu einer internationalen Jugendbegegnung in Italien. Die dritte Begegnung findet 2028 in Deutschland statt.
