Was bedeutet Solidarität für junge Menschen heute? Und wie wird aus einem europäischen Wert eine konkrete gemeinsame Praxis? Mit diesen Fragen haben sich aktive junge Leute aus Polen, Deutschland und Ungarn beschäftigt. Die Jugendbegegnung „Solidarity for Europe“ ist der Auftakt ihrer neuen dreijährigen Projektpartnerschaft im Netzwerk von Generation Europe – The Academy. Getroffen haben sie sich in Gdańsk, und damit in einer Stadt, ind deren Geschichte der Begriff Solidarität eine ganz besondere Rolle spielt.
„Solidarność“ – das ist der Name der polnischen Gewerkschaftsbewegung, deren Streiks und Proteste den demokratischen Wandel in Polen vor fast 40 Jahren maßgeblich geprägt haben. Die Ausstellung im European Solidarity Centre in Gdańsk berichtet davon, was möglich ist, wenn Menschen sich zusammenschließen und mutig gemeinsam aktiv werden: Manchmal kann damit sogar ein autoritäres Regime gestürzt werden, das vorher das Land jahrzehntelang regiert hat.
Die Auseinandersetzung mit dem Thema begann für die internationale Gruppe direkt bei ihren eigenen Erfahrungen. Bevor es in die Ausstellung ging, hatten sie in einem Workshop bereits verschiedene Bedeutungen des Begriffs gesammelt, und diskutiert, wie solidarisches Handeln im Alltag aussehen kann.

Basislager: Safe Space
Solidarität muss jedoch zunächst im Kleinen entstehen. Deshalb standen am Anfang der zehntägigen Jugendbegegnung Methoden zum Teambuilding und zum Kennenlernen im Zentrum, genauso wie Sprachanimation und auch eine Stadtrallye durch Gedańsk. Bei einem Besuch in dem malerischen Dorf Chmielno im Herzen des kaschubischen Seenlandes lernten die Aktiven kaschubische Kultur kennen, backten traditionelles Brot und verbrachten anschließend gemeinsame Zeit am Lagerfeuer. Der niederschwellige Einstieg schafft überhaupt erst die Voraussetzung, um offen über die großen gesellschaftlichen Fragen sprechen zu können.
Zehn Tage lang lebten, lernten und arbeiteten die Teilnehmenden im Maximilan-Kolbe-Haus in Gdańsk (Polen) zusammen. Die beiden angereisten Partnergruppen kommen von der Subjective Values Foundation in Budapest (Ungarn) und der Jugendakademie Walberberg e.V. in Kooperation mit dem Jugendzentrum HiP in Bonn (Deutschland).
Persönliche Grenzen kennen, gesellschaftliche Grenzen überwinden
Doch es ging auch schnell ans Eingemachte: Im Workshop „Our Societies“ zum Beispiel verglichen sie ihre Lebensrealitäten in den drei Ländern, sprachen über kulturelle Unterschiede und suchten nach Gemeinsamkeiten. Wie wichtig ein vertrauensvoller Rahmen ist, zeigte sich auch bei Sessions zu mentaler Gesundheit und Wohlbefinden. Die Erkenntnis: Wer gesellschaftliche Verantwortung übernehmen will, braucht Räume, in denen auch eigene Bedürfnisse, Belastungen und Grenzen Platz haben. Die jungen Aktiven lernten dabei Methoden der Selbstfürsorge kennen, und es wurde klar, dass sich persönliches Engagement und Achtsamkeit nicht ausschließen. Im Gegenteil: Rücksicht auf eigene Bedürfnisse ist eine Voraussetzung für demokratische Handlungsfähigkeit.
Offene Räume für Selbstorganisation
Partizipative Jugendarbeit bedeutet mitorganisieren und selbst gestalten. Besonders viel Raum für eigene Ideen gab es während der intensiven zehn Tage bei Open-Space-Sessions: Die Teilnehmenden entwickelten selbst Workshops und übernahmen ihre Durchführung. Die anderen entschieden, an welchen Angeboten sie teilnehmen wollten.
Mitgebracht zur Jugendbegegnung hatten die drei Gruppen auch erste Ideen für lokale Aktivitäten, die sie in den kommenden drei Jahren in ihren Kommunen umsetzen wollen. Nachdem sie sich zunächst gegenseitig auf den aktuellen Stand gebracht hatten, nutzten sie die gemeinsame Zeit, um ihre Projekte weiter zu planen und sich gegenseitig zu den nächsten Schritten zu beraten. Diese Ideen aus der internationalen Zusammenarbeit fließen nun in die selbstorganisierten Jugendprojekte zuhause ein. Über den Projektzeitraum von drei Jahren bleiben die Aktiven miteinander verbunden, im nächsten Jahr steht das Wiedersehen beim Gegenbesuch in Ungarn an.
Vielen Dank für das Zusammentragen von Fotos und für die Berichte von der Jugendbegegnung an Daniil and Bori!

