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Ein Security-Mitarbeiter folgt einem Jugendlichen durch ein Geschäft. Wiederholte Polizeikontrollen ohne konkreten Grund. Eine Fremde berührt ungefragt die Haare einer Person. Erlebnisse wie diese bildeten den Ausgangspunkt für eine monatelange gemeinsame Theaterarbeit der lokalen Gruppe von Generation Europe – The Academy in Zaragoza, Spanien. Achtzehn junge Menschen entwickelten „Instrucciones para pelar un durián“ (Anleitung zum Schälen einer Durian) – ein Theaterstück über Rassismus, Zugehörigkeit und das Recht, die eigene Geschichte selbst zu erzählen.

Die Teilnehmenden kennen sich aus ihrer Schule, der Escuela de Segunda Oportunidad. Träger ist die Fundación Federico Ozanam, die lokale Partnerorganisation von Generation Europe – The Academy in Zaragoza. Die aktiven Jugendlichen haben zehn verschiedene Staatsangehörigkeiten, unterschiedliche Biografien, Religionen und Herkunftsorte. Was viele von ihnen verbindet, sind die Hindernisse, denen sie im formalen Bildungssystem ausgesetzt sind, sowie Diskriminierung und das Gefühl, von der Mehrheitsgesellschaft in Schubladen gesteckt zu werden.

Das Kunstkollektiv Zonas Comunes half dabei, einen geschützten Raum zu schaffen, und bot methodische Unterstützung für die gemeinsame Theaterarbeit an. Bei wöchentlichen Treffen und Proben arbeitete die Gruppe mit Bewegung und Körpertheater, Schreibübungen, Gedichten und dokumentarischen Monologen. So übersetzten die Jugendlichen ihre Erfahrungen in Szenen und erzählten sie aus einer selbstbestimmten Perspektive. Das Ziel war nicht, Opfergeschichten zu erzählen. Stattdessen lernten sie, wie einzelne Ungerechtigkeiten mit gesellschaftlichen Mustern und Machtverhältnissen zusammenhängen, und wie sie darauf mit einer gemeinsamen, selbstbewussten Stimme antworten können.

Erfahrungen werden zu Theater

Einige Szenen entstanden aus persönlichen Erinnerungen. Andere verbinden Situationen, die die Gruppe beobachtet oder diskutiert hat. Sie setzten sich auch mit Momenten auseinander, die sie einst versucht hatten zu verdrängen. Das Sprechen über diese Erfahrungen half ihnen, zu benennen: Was sie erlebt hatten, war ungerecht und rassistisch. Dabei entschieden sie, was sie dem Publikum vermitteln wollten, und erarbeiteten ein gemeinsames Skript. So wurden sie sowohl zu den Autor*innen des Stücks als auch zu dessen Darsteller*innen.

Die Performance fragt auch danach, wer als Teil der Stadtgesellschaft akzeptiert wird. Denn obwohl Zaragoza ihr Zuhause ist, werden einige wie Außenstehende behandelt: Sie müssen erklären, woher sie kommen, oder beweisen, dass sie dazugehören. Bürokratie schafft weitere Hürden: Für jeden nächsten Schritt scheint noch ein Dokument zu fehlen.

Warum eine Durian?

Der Titel des Stücks – Anleitung zum Schälen einer Durian – ist eine Metapher. Die tropische Frucht ist für ihre stachelige, abweisende Schale bekannt. Erst wer sich die Mühe macht, sie zu öffnen, entdeckt, was in ihr steckt. Das Theaterstück nutzt dieses Bild für eine direkte Kritik an rassistischen Vorurteilen: Gesellschaftliche Urteile beruhen oft auf Äußerlichkeiten wie Hautfarbe, Akzent oder Pass.

Mit ihrem Theaterprojekt macht die lokale Gruppe sichtbar, was hinter Klischees zu oft verborgen bleibt. Auf der Bühne zeigen die Teilnehmenden, was alles zu ihrem Leben gehört: künstlerische Interessen, berufliche Ziele, Humor, Freundschaften, Sorgen und Pläne für die Zukunft. Sie weigern sich, auf ihren Migrationsstatus oder ihren Bildungsgrad reduziert zu werden.

Vom Proberaum in die Öffentlichkeit

Persönliche Erfahrungen auf die Bühne zu bringen, erfordert Vertrauen. Die Teilnehmenden benötigten Zeit, um einander zuzuhören, Ideen auszuprobieren und zu entscheiden, was sie öffentlich machen wollten. Die regelmäßigen Treffen ihrer lokalen Gruppe gaben ihnen diese Zeit. Dort konnten sie einander auch unterstützen, wenn die Beschäftigung mit den eigenen Erfahrungen mal schwierig wurde.

Fast acht Monate lang hatte sich die Gruppe regelmäßig getroffen und gemeinsam gearbeitet. Im Juni war es dann so weit: Die große Premiere fand im Espacio Las Armas statt, einem Kulturzentrum mit Konzertsaal in der historischen Innenstadt von Zaragoza. Das Ergebnis war ein Theaterstück, das ein Forum für Debatten über Rassismus im Alltag und in öffentlichen Institutionen sowie über Identität bot.

Die Bühne wurde zum Schauplatz sozialer Intervention. Mit der Performance regten sie das Publikum dazu an, die eigenen Wahrnehmungsmuster zu hinterfragen und über das Zusammenleben in der Stadt zu diskutieren. Und allen Anwesenden wurde klar: Ihr Leben reicht weit über die Etiketten hinaus, die ihnen andere geben.

Lokale Arbeit in einem europäischen Netzwerk

Das Theaterprojekt entstand im Rahmen von Generation Europe – The Academy und als Teil einer Initiative, die vom Europäischen Solidaritätskorps unterstützt wird. Der Arbeitsprozess zeigt mehrere Ansätze, die Generation-Europe-Gruppen miteinander teilen: Junge Menschen treffen sich regelmäßig an ihren Wohnorten. Sie wählen Themen, die ihr Leben betreffen, entwickeln Handlungsansätze und tragen ihre Anliegen in den öffentlichen Raum. Erfahrungen, die sonst als rein individuell gelten oder ungehört bleiben, werden gemeinsam bearbeitet und öffentlich gemacht. Die Gruppenarbeit bietet Schutz und stärkt die Jugendlichen zugleich darin, gesellschaftlich aktiv zu werden.

Das Netzwerk verbindet diese lokalen Gruppen und Aktivitäten in ganz Europa. Im August werden sich die Jugendlichen aus Zaragoza mit Gleichaltrigen aus Deutschland und Italien treffen, um Ideen auszutauschen und sich gegenseitig bei ihren Projekten zu unterstützen.