Dortmund / Brüssel. Wie steht es wirklich um die Räume, in denen junge Menschen Teilhabe und Demokratie organisieren? Was muss sich ändern, damit europäische Jugendarbeit langfristig gesichert ist? Antworten auf diese Fragen gibt das Policy Paper „Young Voices for Youth Work“.
Das Dokument ist das Ergebnis eines kollaborativen Prozesses: Junge Menschen aus neun europäischen Ländern haben gemeinsam ihre Vision für eine nachhaltige, gut finanzierte und inklusive Jugendarbeit in Europa formuliert. Sie fordern systemische Veränderungen in der europäischen Jugendpolitik.

Aus der Praxis auf die politische Bühne
Die jungen Autor*innen sind im Rahmen von Generation Europe – The Academy in internationalen Jugendprojekten aktiv. Sie kommen aus Finnland, Deutschland, Ungarn, Italien, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien und der Ukraine. Das Engagement in lokalen Jugendgruppen und die Zusammenarbeit in europäischen Projekten haben ihr Leben verändert. Doch sie erleben auch die Kehrseite: unterfinanzierte Jugendzentren, überlastete Fachkräfte und bürokratische Hürden, die genau jene ausschließen, die am dringendsten Unterstützung brauchen. Das Policy Paper ist eine Bestandsaufnahme dieser Realität und ein dringender Appell an die Entscheidungsträger*innen in Europa.
Aus ihrer Perspektive von der Basis haben die Jugendlichen in einem monatelangen Prozess recherchiert, Interviews geführt und Fragebögen ausgewertet. Bereits im November stellten sie ihren ersten Entwurf in Brüssel vor und diskutierten ihn mit Vertreter*innen der EU-Kommission, des Europaparlaments und großer Dachverbände. Nach Einarbeitung des Feedbacks veröffentlichen sie nun das finale Resultat.
28 Empfehlungen für eine resiliente Jugendarbeit
Die Botschaft des Papers: Die Zukunft der Jugendarbeit ist untrennbar mit der Zukunft unserer Demokratien verbunden. In Zeiten multipler Krisen und einer zunehmenden Bedrohung demokratischer Werte sind die Räume, in denen junge Menschen zu aktiven Bürger*innen heranwachsen, wichtiger denn je. Jugendarbeit bietet hierfür einen entscheidenden Rahmen, um Debatten zu führen, kollektiv zu handeln und sinnvoll teilzuhaben. Doch diese Räume sind durch systemische Probleme gefährdet.
Insgesamt stellen die jungen Autor*innen 28 konkrete Handlungsempfehlungen vor, um die Jugendarbeit als Säule demokratischer Gesellschaften zu sichern. Ihre Politikempfehlungen beziehen sich auf folgende Handlungsfelder:
- Zugang, Inklusion & Partizipation: Jugendarbeit muss für alle zugänglich sein, unabhängig von Herkunft, Bildungsweg oder finanziellen Möglichkeiten. Das Paper fordert verbindliche Aktionspläne zum Abbau von Teilnahmehürden, ein EU-weites Monitoring zur Beseitigung von Unterrepräsentation, bessere Unterstützung für Mehrsprachigkeit und die psychische Gesundheit junger Menschen. Jugendliche sollen als Co-Creator*innen der Jugendprojekte empowert werden, in denen sie aktiv sind.
- Rechtliche Rahmenbedingungen & Anerkennung: Die Jugendarbeit ist in Europa uneinheitlich anerkannt. Die europäischen Institutionen und die Mitgliedsstaaten müssen kohärente rechtliche Standards schaffen, um Schutz und Status der Jugendarbeit in allen EU-Ländern zu garantieren. Junge Menschen und Fachkräfte der Jugendarbeit müssen aktiv in die Politikgestaltung einbezogen werden. Das Paper drängt auf verbindliche Dialogformate, die sicherstellen, dass die Stimmen der Basis in politische Entscheidungsprozesse einfließen.
- Professionalisierung: Die Fachkräfte der Jugendarbeit sind das Rückgrat des Sektors, leiden aber unter prekären Arbeitsbedingungen. Das Paper fordert die Schaffung klarer Karrierewege, europaweit anerkannter Qualifikationen, fairer Löhne und Arbeitsrechte, um den Talentabfluss zu stoppen und die Qualität der Jugendarbeit zu sichern.
- Nachhaltige Finanzierung: Die aktuelle europäische Förderlandschaft, die primär kurzfristige Projekte finanziert, zermürbt die Organisationen. Notwendig ist ein fundamentaler Wandel hin zu einem hybriden Finanzierungsmodell, das regelmäßige Zuschüsse für Betriebskosten (Operating Grants) als festen Bestandteil von Programmen wie Erasmus+ etabliert.

Gehört werden
„Jugendarbeit ist kein Hobby, sondern unverzichtbare demokratische Infrastruktur“, sagt Jocelyne Jakob, Geschäftsführerin des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB e.V.). Der in Dortmund ansässige Verein koordiniert Generation Europe – The Academy, das europäische Netzwerk und Förderprogramm, in dessen Rahmen die Autor*innen aktiv sind. „Dass diese jungen Menschen ihre Praxiserfahrungen jetzt in so fundierte politische Forderungen übersetzt haben, macht mich unglaublich stolz. Sie beweisen eindrucksvoll, was Partizipation und demokratische Bildung wirklich bedeuten. Diesen jungen Stimmen muss in Brüssel und in den nationalen Parlamenten zugehört werden! Wir als IBB werden alles tun, um den Dialog zwischen der Basis und der Politik weiter zu organisieren.“
So geht es weiter
Die Veröffentlichung des Papers fällt in eine entscheidende Phase. Aktuell laufen in Brüssel die Vorbereitungen für die nächste Erasmus+ Programmgeneration und die Verhandlungen über den künftigen mehrjährigen Finanzrahmen der EU. Ab sofort soll das Policy Paper gezielt in politische Prozesse eingespeist werden.
Generation Europe – The Academy lädt alle politischen Entscheidungsträger*innen, Organisationen und Fachleute der internationalen Jugendarbeit ein: Lest das Paper, teilt die Forderungen und tretet mit uns in den Dialog! Gemeinsam können wir die Rahmenbedingungen für eine aktive, inklusive europäische Zivilgesellschaft sichern.
Bist du auch der Meinung, dass Jugendarbeit nachhaltig gestärkt werden muss?
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